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Liquiditätsplanung mit Vorlage: Wochenplan statt Monatsblick
Ein Liquiditätsplan zeigt, ob das Konto in jeder Woche reicht. Mit Vorlage, Steuerterminen, 13-Wochen-Rechenbeispiel und den Kennzahlen, auf die Banken schauen.

Eine Liquiditätsplanung stellt alle erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen nach ihrem Fälligkeitstag gegenüber und zeigt so für jede Woche oder jeden Monat den voraussichtlichen Kontostand. Für den laufenden Betrieb reicht meist ein Monatsplan über 12 Monate; sobald es eng wird, braucht es zusätzlich einen 13-Wochen-Plan, weil sich Steuern, Sozialabgaben und Löhne auf wenige Tage im Monat konzentrieren.
Der Unterschied zur Gewinnplanung ist schnell erklärt. Eine Rechnung über 20.000 Euro steigert im Oktober den Umsatz, landet aber vielleicht erst im Dezember auf dem Konto. Ein Betrieb kann deshalb Gewinn ausweisen und trotzdem eine Lohnzahlung nicht bedienen. Die Liquiditätsplanung zählt nur Geld, das tatsächlich fließt.
Reichen die Mittel nicht mehr, greifen für Kapitalgesellschaften wie GmbH und UG strenge Fristen der Insolvenzordnung. Zeigt der Plan eine dauerhafte Lücke, sollten Geschäftsführer zeitnah Steuerberater oder einen Fachanwalt für Insolvenzrecht hinzuziehen.
Liquidität: was gezählt wird und was nicht
Liquidität ist die Fähigkeit, fällige Zahlungen pünktlich zu leisten. Gezählt werden Kassenbestand, Guthaben auf Geschäftskonten und der noch freie Teil zugesagter Kreditlinien. Forderungen gegenüber Kunden, Lagerbestände oder Maschinen zählen erst dann, wenn daraus Geld wird.
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MediadatenWie ernst der Gesetzgeber das nimmt, steht in § 17 InsO: Zahlungsunfähig ist, wer „nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen“. Der Bundesgerichtshof hat diese Formel konkretisiert (Urteil vom 24.05.2005, IX ZR 123/04). Bleibt eine Lücke länger als drei Wochen bestehen und beträgt sie 10 Prozent oder mehr der fälligen Verbindlichkeiten, ist in der Regel von Zahlungsunfähigkeit auszugehen. Kürzere oder kleinere Engpässe gelten als bloße Zahlungsstockung.
Für Geschäftsführer einer GmbH folgt daraus eine Pflicht zur Beobachtung. § 1 StaRUG verlangt von Geschäftsleitern juristischer Personen, „fortlaufend über Entwicklungen“ zu wachen, die den Fortbestand gefährden können. Ohne Liquiditätsplan lässt sich diese Pflicht kaum belegen.
Warum die Planung Pflichtsache ist
Die Zahl der Firmenpleiten liegt hoch. Laut Statistischem Bundesamt registrierten die Amtsgerichte im Jahr 2025 insgesamt 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen, 10,3 Prozent mehr als 2024. Mehr waren es zuletzt 2014 mit 24.085 Fällen. Von Januar bis Juli 2026 lag die Zahl nach Destatis noch einmal 6,9 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Gemessen an der Zahl der Unternehmen traf es Verkehr und Lagerei am häufigsten, danach das Gastgewerbe und das Baugewerbe.
Die Insolvenzordnung arbeitet mit drei Prognosezeiträumen, und jeder verlangt eine andere Planungstiefe:
| Prüfung | Zeitraum | Rechtsgrundlage | Was der Plan zeigen muss |
|---|---|---|---|
| Zahlungsunfähigkeit | 3 Wochen | § 17 InsO, BGH IX ZR 123/04 | Lücke unter 10 % der fälligen Schulden |
| Fortführungsprognose | 12 Monate | § 19 Abs. 2 InsO | Fortführung überwiegend wahrscheinlich |
| Drohende Zahlungsunfähigkeit | 24 Monate | § 18 Abs. 2 InsO | Zahlungen bei Fälligkeit voraussichtlich möglich |
Wird eine GmbH zahlungsunfähig, muss der Insolvenzantrag nach § 15a InsO ohne schuldhaftes Zögern gestellt werden, spätestens drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit. Bei Überschuldung sind es sechs Wochen. Ab diesem Moment beschränkt § 15b InsO Zahlungen aus dem Gesellschaftsvermögen. Wer seine Zahlen erst im Nachhinein ordnet, hat diese drei Wochen oft schon verbraucht.
Aufbau eines Liquiditätsplans
Jeder Liquiditätsplan folgt derselben Logik: Anfangsbestand plus Einzahlungen minus Auszahlungen ergibt den Endbestand, und der Endbestand ist der Anfangsbestand der nächsten Periode. Die IHK München gliedert ihr Muster in 14 Zeilen, die sich für kleine und mittlere Betriebe bewährt haben. Die folgende Vorlage übernimmt diese Struktur und ergänzt Tilgung, Investitionen und Kreditlinie, die im Muster fehlen.
Liquiditätsplanung Vorlage zum Nachbauen
| Zeile | Position | Woher die Zahl kommt |
|---|---|---|
| 1 | Anfangsbestand | Kasse und Bank am Stichtag |
| 2 | Zahlungseingänge Kunden | Offene Posten nach Fälligkeit, dazu geplante Umsätze mit Zahlungsziel |
| 3 | Einlagen, Gesellschafterdarlehen | Nur fest zugesagte Beträge |
| 4 | Sonstige Einzahlungen | Mieteinnahmen, Anlagenverkauf, Steuererstattung mit Bescheid |
| 5 | Summe Einzahlungen | Zeilen 2 bis 4 |
| 6 | Material und Wareneinkauf | Offene Lieferantenrechnungen, geplante Bestellungen |
| 7 | Löhne und Gehälter (netto) | Lohnabrechnung, Zahltag laut Arbeitsvertrag |
| 8 | Sozialversicherung, Lohnsteuer | Fälligkeiten nach § 23 SGB IV und § 41a EStG |
| 9 | Fixkosten | Miete, Leasing, Versicherungen, Kfz, IT, Beratung |
| 10 | Betriebliche Steuern | Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer |
| 11 | Zins und Tilgung, Investitionen | Tilgungsplan, Kaufverträge |
| 12 | Summe Auszahlungen | Zeilen 6 bis 11 |
| 13 | Entnahmen, Ausschüttungen | Privatentnahmen, Geschäftsführergehalt bei Personengesellschaften |
| 14 | Endbestand | Zeile 1 + Zeile 5 − Zeile 12 − Zeile 13 |
| 15 | Freie Kreditlinie | Zugesagter Kontokorrentrahmen minus Inanspruchnahme |
| 16 | Verfügbare Liquidität | Zeile 14 + Zeile 15 |
Zeile 16 ist die Zahl, auf die es ankommt. Fällt sie in einer Periode unter einen vorher festgelegten Mindestbestand, ist Handlungsbedarf erreicht. Als Mindestbestand bewährt sich die Summe der Auszahlungen der stärksten Woche im Monat, meist der Woche mit Lohn- und Sozialversicherungszahlung.
Netto oder brutto planen?
Viele Vorlagen im Netz rechnen mit Nettobeträgen. Das ist bequem, aber für die Liquidität falsch. Kunden überweisen brutto, Lieferanten werden brutto bezahlt, und die Differenz geht als Umsatzsteuer-Zahllast ans Finanzamt. Wer netto plant, unterschlägt genau den Betrag, der am 10. des Folgemonats abfließt. Sauberer ist es, alle Zahlungen brutto anzusetzen und die Umsatzsteuer-Vorauszahlung als eigene Auszahlung zu führen.
Die festen Termine: Steuern und Sozialabgaben
Kundenzahlungen schwanken, die Termine des Staates nicht. Diese Termine gehören als Erstes in jeden Plan, weil sie die tiefsten Punkte im Kontoverlauf erzeugen. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Fälligkeiten für Betriebe mit Angestellten zusammen.
| Zahlung | Fällig am | Rechtsgrundlage | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Sozialversicherungsbeiträge | drittletzter Bankarbeitstag des laufenden Monats | § 23 Abs. 1 SGB IV | fällig im Monat der Arbeit, nicht im Folgemonat |
| Lohnsteuer | 10. Tag nach Ablauf des Anmeldezeitraums | § 41a EStG | in der Regel monatlich |
| Umsatzsteuer-Vorauszahlung | 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums | § 18 Abs. 1 UStG | monatlich bei mehr als 9.000 € Vorjahressteuer |
| Einkommen- und Körperschaftsteuer | 10.3., 10.6., 10.9., 10.12. | § 37 EStG, § 31 KStG | Vorauszahlungsbescheid |
| Gewerbesteuer | 15.2., 15.5., 15.8., 15.11. | § 19 GewStG | je ein Viertel der letzten Festsetzung |
Zwei Stellschrauben helfen bei der Umsatzsteuer. Nach § 46 UStDV verlängert das Finanzamt auf Antrag die Frist für Voranmeldung und Zahlung um einen Monat. Monatszahler leisten dafür nach § 47 UStDV eine Sondervorauszahlung von einem Elftel der Vorauszahlungen des Vorjahres, die mit der Dezember-Voranmeldung verrechnet wird. Die Dauerfristverlängerung verschafft also dauerhaft einen Monat Luft, kostet aber einmal pro Jahr Liquidität.
Wer eine Steuer zu spät zahlt, zahlt drauf. § 240 AO setzt einen Säumniszuschlag von 1 Prozent des rückständigen Betrags für jeden angefangenen Monat fest. Bei Überweisung gilt eine Schonfrist von drei Tagen. Ein Plan, der die Termine kennt, vermeidet diese Kosten.
Der 13-Wochen-Plan
Ein Monatsplan zeigt nur den Stand am Monatsende. Der kann gut aussehen, obwohl das Konto am 26. des Monats, wenn Löhne und Sozialversicherung abgehen, tief im Minus steht. Der 13-Wochen-Plan schließt diese Lücke. 13 Wochen entsprechen einem Quartal, und in diesem Zeitraum sind die meisten Zahlungen bereits als Rechnung, Vertrag oder Bescheid bekannt. Die Werte beruhen also überwiegend auf Belegen statt auf Schätzungen.
Banken und Sanierungsberater verlangen diesen Plan regelmäßig, sobald ein Betrieb neue Mittel braucht oder eine Kreditlinie verlängert werden soll. Er wird rollierend geführt: Jede Woche fällt die vergangene Woche heraus, eine neue Woche 13 kommt hinzu, und die Ist-Zahlen werden neben die Plan-Zahlen gestellt.
So entsteht der Plan in sechs Schritten
- Anfangsbestand festhalten: alle Konten und die Kasse zum Montag der ersten Woche, dazu der freie Teil der Kreditlinie.
- Offene Posten übernehmen: Kundenforderungen und Lieferantenrechnungen aus der Buchhaltung, jeweils in die Woche ihrer Fälligkeit. Bei Kunden, die regelmäßig später zahlen, das tatsächliche Zahlungsverhalten der letzten Monate ansetzen.
- Feste Termine eintragen: Löhne, Sozialversicherung, Lohnsteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Miete, Leasing, Tilgung.
- Planumsätze ergänzen: Aufträge, die noch nicht fakturiert sind, mit realistischem Zahlungseingang. Ohne Auftrag kein Eintrag.
- Endbestand je Woche berechnen und mit dem Mindestbestand vergleichen.
- Jeden Montag Ist gegen Plan prüfen, Abweichungen über 10 Prozent erklären, den Plan um eine Woche verlängern.
Rechenbeispiel: Handwerksbetrieb im Winterquartal
Ein Installationsbetrieb in der Rechtsform einer GmbH mit 14 Beschäftigten startet im November mit 42.000 Euro auf dem Konto. Die Kontokorrentlinie über 40.000 Euro ist ungenutzt. Löhne gehen jeweils zusammen mit der Sozialversicherung in der letzten Woche des Monats raus, Umsatzsteuer und Lohnsteuer in der zweiten Woche. Alle Beträge in tausend Euro, gerundet.
| Woche | Einzahlungen | Auszahlungen | Endbestand | Größte Posten |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 46 T€ | 31 T€ | 57 T€ | Miete, Lieferanten |
| 2 | 49 T€ | 48 T€ | 58 T€ | Umsatzsteuer 21 T€, Lohnsteuer 9 T€ |
| 3 | 43 T€ | 32 T€ | 69 T€ | Gewerbesteuer 12 T€ |
| 4 | 52 T€ | 80 T€ | 41 T€ | Löhne 41 T€, Sozialversicherung 24 T€ |
| 5 | 45 T€ | 35 T€ | 51 T€ | Miete, Tilgung 5 T€ |
| 6 | 50 T€ | 59 T€ | 42 T€ | Umsatzsteuer, Körperschaftsteuer 15 T€ |
| 7 | 56 T€ | 22 T€ | 76 T€ | Lieferanten |
| 8 | 34 T€ | 79 T€ | 31 T€ | Löhne, Sozialversicherung vor Weihnachten |
| 9 | 22 T€ | 18 T€ | 35 T€ | Feiertage, wenig Zahlungseingang |
| 10 | 38 T€ | 49 T€ | 24 T€ | Umsatzsteuer 23 T€, Lohnsteuer 9 T€ |
| 11 | 48 T€ | 28 T€ | 44 T€ | Jahresbeiträge Versicherungen |
| 12 | 46 T€ | 19 T€ | 71 T€ | Lieferanten |
| 13 | 50 T€ | 81 T€ | 40 T€ | Löhne, Sozialversicherung |
Über das Quartal stehen 579.000 Euro Einzahlungen 581.000 Euro Auszahlungen gegenüber. Der Betrieb endet fast dort, wo er angefangen hat. Ein Monatsplan würde an den Monatsenden jeweils zwischen 35.000 und 51.000 Euro zeigen, alles im grünen Bereich. Der Wochenplan zeigt etwas anderes: In Woche 10, beim Umsatzsteuertermin im Januar, sinkt der Bestand auf 24.000 Euro. Liegt der Mindestbestand bei 30.000 Euro, ist diese Woche kritisch, obwohl kein Monatsende es verraten hätte.
Szenario: Ein Großkunde zahlt vier Wochen später
Jetzt der Ernstfall. Eine Abschlagsrechnung über 30.000 Euro, eingeplant für Woche 8, kommt erst in Woche 12. Rechnung: Endbestand Woche 8 sinkt auf 31 − 30 = 1.000 Euro, Woche 9 auf 5.000 Euro, Woche 10 auf 5 − 11 = minus 6.000 Euro, Woche 11 auf 14.000 Euro. Ab Woche 12 ist alles wieder wie geplant.
Mit der Kontokorrentlinie von 40.000 Euro bleibt der Betrieb zahlungsfähig, die verfügbare Liquidität fällt in Woche 10 aber auf 34.000 Euro. Ohne Linie wäre in derselben Woche die Umsatzsteuer nicht bezahlbar. Genau dafür ist der Plan da: Die Lücke ist acht Wochen vorher sichtbar. Das reicht, um mit der Bank über eine höhere Linie zu sprechen, beim Kunden nachzufassen oder einen Lieferanten um ein längeres Ziel zu bitten. Drei Tage vorher reicht es nicht.
Liquiditätsgrad: die Kennzahlen aus der Bilanz
Liquiditätsgrade sind eine Momentaufnahme: Die Kennzahlen setzen kurzfristig verfügbare Mittel ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten, meist zum Bilanzstichtag. Banken lesen sie aus dem Jahresabschluss, deshalb sollten Geschäftsführer die eigenen Werte kennen. Einen Liquiditätsplan ersetzen sie nicht, weil sie nichts über Fälligkeiten in den kommenden Wochen sagen.
| Kennzahl | Formel | Beispielwert |
|---|---|---|
| Liquidität 1. Grades (Barliquidität) | flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 | 28 % |
| Liquidität 2. Grades (Quick Ratio) | (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 | 107 % |
| Liquidität 3. Grades (Current Ratio) | Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 | 149 % |
Die Beispielwerte beruhen auf folgender Bilanz: Kasse und Bank 42.000 Euro, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 118.000 Euro, Vorräte 64.000 Euro, kurzfristige Verbindlichkeiten 150.000 Euro. Rechenweg: 42 ÷ 150 = 28 Prozent; (42 + 118) ÷ 150 = 106,7 Prozent; (42 + 118 + 64) ÷ 150 = 149,3 Prozent.
Gesetzliche Mindestwerte gibt es für keinen der drei Grade. In der Bankpraxis gilt für die Liquidität 2. Grades ein Wert um 100 Prozent als Faustregel: Dann decken Bankguthaben und Kundenforderungen die kurzfristigen Schulden. Liegt der Wert deutlich darunter, hängt die Zahlungsfähigkeit am Verkauf von Vorräten oder an neuen Krediten. Ein hoher Wert 1. Grades ist dagegen kein Qualitätsmerkmal an sich. Viel Geld auf dem Girokonto bringt keine Zinsen und fehlt bei Investitionen. Aussagekräftig wird jede Kennzahl erst im Vergleich mit Vorjahren und mit Betrieben derselben Branche.
Wenn der Plan eine Lücke zeigt
Eine Lücke im Plan ist erst einmal eine Information, kein Notfall. Die Hebel lassen sich nach ihrer Wirkungsgeschwindigkeit ordnen.
| Maßnahme | Wirkt nach | Hinweis |
|---|---|---|
| Offene Forderungen mahnen | 1 bis 3 Wochen | Verzug spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Rechnungszugang (§ 286 Abs. 3 BGB) |
| Abschlagsrechnungen stellen | 2 bis 4 Wochen | bei laufenden Aufträgen vertraglich vereinbaren |
| Lieferantenziel verlängern | sofort | Vereinbarungen über 60 Tage nur ausdrücklich und nicht grob unbillig (§ 271a BGB) |
| Dauerfristverlängerung Umsatzsteuer | 1 Monat | Antrag nach § 48 UStDV, Sondervorauszahlung 1/11 |
| Steuervorauszahlungen anpassen | bis nächster Termin | Antrag beim Finanzamt bei gesunkenem Gewinn (§ 37 Abs. 3 EStG, § 19 Abs. 3 GewStG) |
| Kreditlinie erhöhen | 2 bis 6 Wochen | Bank verlangt in der Regel aktuellen Liquiditätsplan |
Die Anpassung der Vorauszahlungen wird oft vergessen. Das Finanzamt bemisst Einkommen- und Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen nach der letzten Veranlagung, die Gemeinde die Gewerbesteuer ebenso. Bricht der Gewinn im laufenden Jahr ein, zahlt der Betrieb auf Basis eines besseren Jahres. Ein formloser Antrag mit aktueller Hochrechnung kann den nächsten Termin spürbar entlasten.
Was nicht in diese Liste gehört: Sozialversicherungsbeiträge oder Lohnsteuer schieben. Die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung nicht abzuführen, ist nach § 266a StGB strafbar, und für nicht abgeführte Lohnsteuer kann der Geschäftsführer nach §§ 34 und 69 AO persönlich haften. Wenn der Plan zeigt, dass diese Zahlungen nicht mehr gedeckt sind, ist der Zeitpunkt für externe Beratung erreicht.
Häufige Fehler in der Liquiditätsplanung
- Umsatz statt Zahlungseingang: Die Rechnung wird im Monat der Ausstellung als Einzahlung erfasst, obwohl Kunden im Schnitt 40 oder 50 Tage brauchen.
- Nettobeträge: Die Umsatzsteuer-Zahllast fehlt, der Plan ist um mehrere tausend Euro pro Monat zu optimistisch.
- Jährliche Zahlungen vergessen: Versicherungsbeiträge, Kfz-Steuer, Beiträge zur Berufsgenossenschaft, Sondervorauszahlung, Steuernachzahlungen nach Bescheid.
- Nur Monatsenden betrachten: Der Tiefpunkt liegt meist nicht am Ultimo, sondern zwischen Lohnzahlung und den ersten Kundeneingängen des Folgemonats.
- Kein Abgleich mit dem Ist: Ein Plan, der nie mit dem Kontoauszug verglichen wird, wird mit jeder Woche ungenauer.
- Entnahmen außen vor: Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften gehen die Privatentnahmen vom selben Konto ab und gehören in den Plan.
Checkliste für den Wochentermin
Mit aktueller Buchhaltung ist der wöchentliche Abgleich Routine. In jeden Termin gehören diese Punkte:
- Kontostände aller Geschäftskonten und Inanspruchnahme der Kreditlinie notieren
- Ist-Einzahlungen und Ist-Auszahlungen der Vorwoche neben den Plan stellen
- neue Rechnungen, Aufträge und Bescheide in die passende Woche eintragen
- Kunden mit überfälligen Rechnungen über 10.000 Euro einzeln prüfen
- Steuer- und Sozialversicherungstermine der nächsten vier Wochen kontrollieren
- Woche 13 neu anhängen, Tiefpunkt und Mindestbestand vergleichen
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Finanzplan und Liquiditätsplan?
Der Finanzplan ist der Oberbegriff. Er umfasst Rentabilitätsplanung, Investitionsplan, Finanzierungsplan und Liquiditätsplan. Der Liquiditätsplan ist der Teil, der ausschließlich Zahlungsströme nach ihrem Zeitpunkt abbildet.
Gibt es eine kostenlose Excel-Vorlage?
Die IHK München bietet ein Muster mit 14 Positionen an, viele weitere Kammern und Banken ebenfalls. Die Vorlage in diesem Artikel lässt sich in jeder Tabellenkalkulation nachbauen: Zeilen wie oben, Spalten für Monate oder Wochen. Wichtiger als das Werkzeug ist, dass der Plan wöchentlich gepflegt wird.
Wie viel liquide Mittel sollte ein Unternehmen haben?
Eine gesetzliche Vorgabe gibt es nicht. Praktisch sollte der verfügbare Bestand aus Konto und freier Kreditlinie zu jedem Zeitpunkt die Auszahlungen der stärksten Woche decken, in Betrieben mit Angestellten meist die Woche mit Lohnzahlung und Sozialversicherung. Saisonbetriebe planen für ihren Tiefpunkt im Jahr.
Wie hoch muss der Liquiditätsgrad 2 sein?
Ein Wert um 100 Prozent gilt als übliche Orientierung, ein Gesetz schreibt ihn nicht vor. Branchen mit hohem Lagerbestand wie der Handel liegen oft darunter, Dienstleister häufig darüber.
Wie oft sollte der Liquiditätsplan aktualisiert werden?
Der Monatsplan über 12 Monate einmal im Monat nach dem Buchhaltungsabschluss. Der 13-Wochen-Plan jede Woche, in angespannten Phasen auch zweimal pro Woche.
Fazit
Für einen gesunden Betrieb genügt ein Monatsplan über 12 Monate, der jeden Monat mit dem Ist abgeglichen wird. Spätestens wenn ein Großkunde zögert, die Kreditlinie dauerhaft genutzt wird oder die Bank Unterlagen anfordert, kommt der 13-Wochen-Plan hinzu. Steuer- und Sozialversicherungstermine stehen in beiden Plänen ganz oben, weil sie feststehen und die Tiefpunkte bestimmen. Wer die Lücke acht Wochen vorher sieht, hat Zeit, mit Bank und Kunden zu reden, notfalls auch mit dem Finanzamt.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz · § 17 InsO Zahlungsunfähigkeit · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 18 InsO Drohende Zahlungsunfähigkeit · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 19 InsO Überschuldung · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 15a InsO Antragspflicht bei juristischen Personen · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 15b InsO Zahlungen bei Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 1 StaRUG Krisenfrüherkennung und Krisenmanagement · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 18 UStG Besteuerungsverfahren · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · §§ 46 bis 48 UStDV Dauerfristverlängerung · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 41a EStG Lohnsteuer-Anmeldung · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 37 EStG Einkommensteuer-Vorauszahlung · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 19 GewStG Vorauszahlungen · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 23 SGB IV Fälligkeit · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 240 AO Säumniszuschläge · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 69 AO Haftung der Vertreter · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 266a StGB Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 286 BGB Verzug des Schuldners · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 271a BGB Vereinbarungen über Zahlungs-, Überprüfungs- oder Abnahmefristen · Abruf 10/2026
- Statistisches Bundesamt · Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025: +10,3 % zum Vorjahr · Abruf 10/2026
- Statistisches Bundesamt · Unternehmensinsolvenzen im Juli 2026: +8,0 % · Abruf 10/2026
- IHK München und Oberbayern · Liquiditätsplanung · Abruf 10/2026
- Bundesgerichtshof (via dejure.org) · Urteil vom 24.05.2005, IX ZR 123/04 · Abruf 10/2026
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