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Kontokorrentkredit: Was kostet die Kreditlinie im Betrieb?
Unternehmen zahlten im August 2026 im Schnitt 5,05 Prozent für Kontokorrentkredite. Wie sich Zinsen, Provision und Überziehung zusammensetzen und wann die Linie teurer ist als ein Darlehen.

Ein Kontokorrentkredit kostete Unternehmen in Deutschland im August 2026 im Schnitt 5,05 Prozent Zins pro Jahr. So steht es in der Zinsstatistik der Europäischen Zentralbank für revolvierende Kredite und Überziehungskredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften. Gezahlt wird nur auf den tatsächlich genutzten Betrag, taggenau abgerechnet.
Der Durchschnitt ist allerdings ein Mittelwert über alle Firmengrößen, große Konzerne eingeschlossen. Für private Haushalte, zu denen in dieser Statistik auch Einzelunternehmer ohne eigene Rechtsform zählen, lag derselbe Satz bei 9,39 Prozent. Kleine GmbHs, Handwerksbetriebe und Freiberufler liegen je nach Bonität und Sicherheiten oft dazwischen.
Ein Hinweis vorab: Die folgenden Zahlen sind Durchschnittswerte und Rechenbeispiele. Was ein Betrieb tatsächlich zahlt, steht im Kreditvertrag und im Preis- und Leistungsverzeichnis der Bank. Bei Steuerfragen hilft die Steuerberatung.
So funktioniert ein Kontokorrentkredit
Die Bank räumt auf dem Geschäftskonto eine Kreditlinie ein, zum Beispiel 100.000 Euro. Bis zu diesem Betrag darf das Konto ins Minus gehen, ohne dass ein neuer Antrag nötig ist. Jeder Zahlungseingang senkt den Sollsaldo sofort wieder. Eine feste Tilgung gibt es nicht.
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MediadatenRechtlich steckt dahinter die „laufende Rechnung“ nach § 355 HGB: Ansprüche und Leistungen beider Seiten werden verrechnet und in regelmäßigen Abständen abgeschlossen. Das Gesetz sieht einen Abschluss pro Jahr vor, sofern nichts anderes vereinbart ist. Banken machen es anders: Nach Nr. 7 der AGB-Banken (Muster des Bankenverbands, Stand Juli 2025) wird zum Ende jedes Kalenderquartals abgerechnet, und dann werden auch die Zinsen belastet.
Gegen einen Rechnungsabschluss kann der Kunde nach derselben Klausel innerhalb von sechs Wochen nach Zugang Einwände erheben. Wer schweigt, hat den Abschluss genehmigt. Später ist eine Korrektur nur noch möglich, wenn der Betrieb den Fehler beweist.
Kontokorrentkredit, Kreditlinie, Betriebsmittelkredit: die Begriffe
„Kreditlinie“ ist der Oberbegriff für einen zugesagten Rahmen, den der Kunde nach Bedarf abruft. Der Kontokorrentkredit ist die häufigste Form davon, nämlich die Linie auf dem laufenden Konto. „Betriebsmittelkredit“ beschreibt den Zweck: Geld für Material, Löhne, Vorfinanzierung von Aufträgen. Das kann eine Kontokorrentlinie sein oder ein Darlehen mit fester Laufzeit, etwa der ERP-Förderkredit der KfW.
Der Dispositionskredit ist das Gegenstück für Privatkonten. Er fällt unter das Verbraucherkreditrecht des BGB, mit eigenen Informationspflichten der Bank. Für Geschäftskonten gelten diese Schutzvorschriften nicht, die Konditionen werden frei verhandelt.
Kontokorrentkredit Zinsen: aktuelle Werte und Entwicklung
Die EZB veröffentlicht die Sätze monatlich für das Neugeschäft deutscher Banken. Die Reihe zeigt, wie schnell sich variable Linien bewegen:
| Monat | Unternehmen (Kapitalgesellschaften) | Haushalte inkl. Einzelunternehmer |
|---|---|---|
| August 2021 | 2,79 % | 7,12 % |
| August 2022 | 2,73 % | 7,17 % |
| August 2023 | 6,11 % | 10,39 % |
| August 2024 | 6,36 % | 10,76 % |
| August 2025 | 4,75 % | 9,45 % |
| August 2026 | 5,05 % | 9,39 % |
Zwischen August 2022 und August 2024 hat sich der Satz für Unternehmen mehr als verdoppelt, bis August 2025 fiel er dann um rund ein Viertel. Seit Herbst 2025 geht es leicht nach oben. Die EZB hat den Einlagesatz am 17. Juni 2026 auf 2,25 Prozent und am 16. September 2026 auf 2,50 Prozent angehoben. Die August-Werte enthalten nur den ersten Schritt. Bei variabel verzinsten Linien dürfen Banken den Zins im Rahmen der Vertragsklausel anpassen, ein Blick in die Quartalsabrechnung lohnt sich also.
Was ein Kontokorrentkredit kostet: die vier Posten
Der Sollzins ist nur ein Teil. In Firmenkundenverträgen tauchen typischerweise diese Kosten auf:
- Sollzins auf den genutzten Betrag, taggenau. Je nach Vertrag wird mit 360 oder 365 Tagen gerechnet.
- Kreditprovision (auch Bereitstellungs- oder Zusageprovision) auf die zugesagte, aber ungenutzte Linie, sofern vereinbart. Damit bezahlt der Betrieb die Bank dafür, dass das Geld jederzeit abrufbar bleibt.
- Überziehungszins, wenn das Konto über die Linie hinaus ins Minus geht. Der Aufschlag steht im Preis- und Leistungsverzeichnis.
- Kontoentgelt und Kosten für Sicherheiten wie Grundschuld oder Bürgschaft.
Rechenbeispiel: Handwerks-GmbH mit 100.000 Euro Linie
Ein Betrieb hat eine Linie von 100.000 Euro und nutzt im Jahresschnitt 40.000 Euro davon. In der Saisonspitze geht er zusätzlich 15 Tage lang 10.000 Euro über den Rahmen. Zinssätze und Provision im Beispiel sind Annahmen; zum Vergleich steht der EZB-Durchschnitt daneben.
| Posten | Rechnung | Variante EZB-Schnitt | Variante kleiner Betrieb |
|---|---|---|---|
| Sollzins | 40.000 € × Zins | 5,05 % = 2.020 € | 9,39 % = 3.756 € |
| Kreditprovision (Annahme 0,25 % p. a.) | 60.000 € × 0,25 % | 150 € | 150 € |
| Überziehung (Annahme 14 % p. a.) | 10.000 € × 14 % × 15/360 | 58 € | 58 € |
| Summe pro Jahr | ohne Kontoentgelt | 2.228 € | 3.964 € |
| Effektiv auf genutzte 40.000 € | Summe / 40.000 € | 5,6 % | 9,9 % |
Zwei Dinge fallen auf. Die Provision auf den ungenutzten Teil treibt den effektiven Satz umso mehr, je weniger die Linie genutzt wird: Bei nur 10.000 Euro Schnitt wären es 225 Euro Provision auf 90.000 Euro Freiraum. Und die 15 Tage Überziehung kosten 58 Euro, während derselbe Betrag innerhalb der Linie zum EZB-Schnitt rund 21 Euro gekostet hätte (10.000 € × 5,05 % × 15/360). Eine zu knapp bemessene Linie wird deshalb schnell teurer als eine etwas größere.
Wann sich die Linie lohnt und wann nicht
Gebaut ist der Kontokorrentkredit für Schwankungen: Lohnzahlung am Monatsende, Material vor der Abschlagsrechnung, Kunden mit 60 Tagen Zahlungsziel. Steht das Konto dagegen dauerhaft im Minus, finanziert die Linie in Wahrheit Anlagevermögen oder Verluste. Dann ist sie fast immer die teuerste Lösung.
Skonto ziehen mit dem Kontokorrent
Ein klassischer Fall, in dem sich selbst ein hoher Kontokorrentzins rechnet. Eine Lieferantenrechnung über 20.000 Euro bietet 2 Prozent Skonto bei Zahlung in 10 Tagen, sonst 30 Tage netto.
- Skonto: 20.000 € × 2 % = 400 €
- Finanzierung von 19.600 € für 20 Tage zu 9,39 %: 19.600 € × 9,39 % × 20/360 = 102 €
- Ersparnis: 400 € − 102 € = 298 €
Umgerechnet auf ein Jahr entspricht der Verzicht auf Skonto einem Zins von rund 36,7 Prozent (2/98 × 360/20). Solange Platz in der Linie ist, sollte Skonto praktisch immer gezogen werden.
Vergleich mit anderen Finanzierungen
| Merkmal | Kontokorrentkredit | Betriebsmitteldarlehen | ERP-Förderkredit KMU |
|---|---|---|---|
| Zins | variabel | meist fest | fest, aus ERP-Mitteln vergünstigt |
| Laufzeit | meist unbefristet | fest vereinbart | 2 Jahre endfällig oder bis 5 Jahre |
| Tilgung | durch Zahlungseingänge | Raten oder endfällig | endfällig oder Raten nach höchstens 1 tilgungsfreien Jahr |
| Kündbarkeit durch die Bank | jederzeit, wenn unbefristet | nach Vertrag | nach Vertrag |
| Passend für | Schwankungen im Monat | Saison, Großauftrag | dauerhaften Mehrbedarf |
Der ERP-Förderkredit KMU mit Haftungsfreistellung (Programm 366) finanziert laut KfW-Merkblatt (Stand 1. September 2026) Betriebsmittel bis 7,5 Millionen Euro pro Vorhaben. Beantragt wird über die Hausbank. Eine Bedingung betrifft direkt die Kontokorrentlinie: Die bei der Bank bewilligten Kreditlinien müssen mindestens 12 Monate nach der KfW-Zusage in voller Höhe bestehen bleiben. Die KfW übernimmt dabei 50 Prozent des Risikos der Bank, sofern zwei vollständige Jahresabschlüsse vorliegen.
Das unterschätzte Risiko: die Kündigung
Eine unbefristete Linie ist keine sichere Reserve. Nach Nr. 19 Abs. 2 der AGB-Banken kann die Bank Kredite und Kreditzusagen ohne vereinbarte Laufzeit jederzeit ohne Frist kündigen. Dabei muss die Bank nur auf die berechtigten Belange des Kunden Rücksicht nehmen. Fristlos aus wichtigem Grund geht es nach Abs. 3 etwa bei einer wesentlichen Verschlechterung der Vermögenslage oder wenn verlangte Sicherheiten nicht gestellt werden. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben eigene AGB mit anderer Nummerierung, aber ähnlichem Inhalt.
Nach Nr. 13 AGB-Banken darf die Bank für ihre Ansprüche jederzeit bankmäßige Sicherheiten verlangen. Typisch für Kontokorrentlinien sind die Abtretung von Kundenforderungen (Globalzession), die Sicherungsübereignung des Warenlagers und Bürgschaften der Gesellschafter. Wer die Linie für feste Ausgaben wie Miete oder Leasingraten fest einplant, hat bei einer Kündigung sofort eine Zahlungslücke.
Ab einem Kreditvolumen von 1,5 Millionen Euro oder 10 Prozent des Kernkapitals der Bank schreibt § 18 KWG vor, dass sich die Bank die wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen lässt, vor allem durch Jahresabschlüsse. Viele Banken verlangen BWA und Abschluss aber auch bei kleineren Linien, meist einmal im Jahr.
Kontokorrentzinsen in der Steuer
Kontokorrentzinsen sind Betriebsausgaben, solange das Konto betrieblich genutzt wird. Zwei Regeln schränken das ein:
- Überentnahmen nach § 4 Abs. 4a EStG: Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften sind Schuldzinsen teilweise nicht abziehbar, wenn die Entnahmen Gewinn und Einlagen übersteigen. Pauschal angesetzt werden 6 Prozent der Überentnahme, ein Sockel von 2.050 Euro Zinsen bleibt immer abziehbar. Ausgenommen sind nur Darlehen für Anlagevermögen, die Kontokorrentlinie fällt in der Regel nicht darunter.
- Gewerbesteuer nach § 8 Nr. 1 GewStG: Dem Gewinn wird ein Viertel des Betrags hinzugerechnet, um den die Summe aus Zinsen und den anteilig angesetzten Mieten, Pachten, Leasingraten und Lizenzen 200.000 Euro übersteigt. Kleine Betriebe sind davon meist nicht betroffen.
Wer private Ausgaben über das Geschäftskonto bezahlt, vermischt betriebliche und private Zinsen. Sauberer ist es, Entnahmen vom Guthaben oder über ein eigenes Konto laufen zu lassen.
Checkliste: Kontokorrentlinie richtig bemessen und verhandeln
- Liquiditätsplan für 12 Monate aufstellen und den tiefsten Kontostand ermitteln.
- Linie auf diesen Tiefpunkt plus Puffer für verspätete Kundenzahlungen auslegen, damit keine Überziehungszinsen anfallen.
- Dauerhaften Sockel herausrechnen: Was das ganze Jahr im Minus steht, gehört in ein Darlehen oder einen Förderkredit.
- Angebot auf alle Posten prüfen: Sollzins, Zinsanpassungsklausel, Kreditprovision, Überziehungszins, Sicherheiten.
- Vergleichsangebot einer zweiten Bank einholen; ein Kontowechsel ist bei bestehenden Sicherheiten aufwendig, eine Zweitlinie oft nicht.
- Bei fehlenden Sicherheiten über die Hausbank eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank anfragen. Laut Verband Deutscher Bürgschaftsbanken lassen sich auch Kontokorrentkredite verbürgen, in der Regel bis 80 Prozent des Ausfallrisikos.
- Quartalsabschluss innerhalb von sechs Wochen prüfen: Zinssatz, Tage, Provision.
- Einmal im Jahr mit Abschluss und Plan zur Bank gehen, bevor sie fragt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Dispokredit und Kontokorrentkredit?
Technisch keiner, beide sind Überziehungslinien auf einem laufenden Konto. Der Dispokredit gehört zum Privatkonto und unterliegt dem Verbraucherkreditrecht. Der Kontokorrentkredit läuft auf dem Geschäftskonto, wird frei verhandelt und ist meist an Sicherheiten gebunden.
Wie hoch sind aktuell die Kontokorrentzinsen?
Im August 2026 lag der Durchschnitt für Unternehmen bei 5,05 Prozent, für Haushalte einschließlich Einzelunternehmer bei 9,39 Prozent (EZB-Zinsstatistik, Neugeschäft Deutschland). Der eigene Satz hängt von Rating, Sicherheiten und Größe der Linie ab.
Welche Nachteile hat ein Kontokorrentkredit?
Höhere Zinsen als ein Darlehen mit fester Laufzeit, ein variabler Zins, der mit dem Leitzins steigt, und das Recht der Bank, eine unbefristete Linie jederzeit zu kündigen. Als Dauerfinanzierung ist er deshalb ungeeignet.
Fazit
Ein Kontokorrentkredit kostet im Durchschnitt rund 5 Prozent, kleine Betriebe zahlen oft fast das Doppelte. Teuer wird er durch Überziehung, Provision auf ungenutzte Linie und durch Dauernutzung. Die Linie sollte am Tiefpunkt des Liquiditätsplans ausgerichtet sein, ein dauerhafter Sockel gehört in ein Darlehen oder den ERP-Förderkredit. Skonto zu ziehen ist fast immer günstiger als der Kontokorrentzins.
Quellen
- Europäische Zentralbank · Zinssätze für revolvierende Kredite und Überziehungskredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, Deutschland · Abruf 10/2026
- Europäische Zentralbank · Zinssätze für revolvierende Kredite und Überziehungskredite an private Haushalte, Deutschland · Abruf 10/2026
- Europäische Zentralbank · Zinssatz der Einlagefazilität · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 355 HGB Laufende Rechnung · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 4 EStG Gewinnbegriff · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 8 GewStG Hinzurechnungen · Abruf 10/2026
- Bundesministerium der Justiz · § 18 KWG Kreditunterlagen · Abruf 10/2026
- Bundesverband deutscher Banken · Allgemeine Geschäftsbedingungen, unverbindliches Muster, Stand Juli 2025 · Abruf 10/2026
- KfW · Merkblatt ERP-Förderkredit KMU mit Haftungsfreistellung (366), Stand 01.09.2026 · Abruf 10/2026
- Verband Deutscher Bürgschaftsbanken · FAQ · Abruf 10/2026
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